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Ein Wochenende mit Frau M.

Heute wird Frau M. nicht  zur Tagespflege abgeholt, wir verbringen also viele Stunden zusammen. Wäre ich heute nicht für sie da, dann würde sie sich in ihrer Wohnung ängstigen und sich sehr einsam fühlen. Sie würde vielleicht wieder die Polizei oder den Notarzt holen, weil es ihr so schlecht ginge und man würde sie daraufhin zur Untersuchung ins Krankenhaus und danach wieder nach Haus bringen. Oder Frau A. würde, wie an vielen Wochenenden vorher, als sie noch keine Wochenendbegleitung hatte, ins Restaurant nebenan gehen wollen. Dort hat sie aber leider Hausverbot, wie in allen anderen umliegenden Restaurants. Das liegt daran, dass sich Frau M. schnell und laut über Kleinigkeiten beschwert und diese direkte Art stört andere Gäste. Auch kann sie meist nicht bezahlen, da sie ihr Portemonnaie nicht findet oder vergessen hat. Weil ihr Kurzzeitgedächtnis nicht funktioniert, kann sie sich nur an das erinnern, was viele Jahre zurückliegt. Alles was gestern oder eben noch war, ist wie ausgelöscht. Diese Situation ist ganz schlimm für sie.

Ich schweige eine kurze Zeit, weil mir im Moment nichts einfällt, was ich erzählen könnte. Frau M. wird ungnädig: Nun unterhalte mich mal. Dafür bist Du doch da! Frau M. hat längere Zeit in einem noblen Hotel gewohnt und ist es gewohnt auf ihre teils forschen Kommandos umgehend bedient zu werden. Auf meine Antwort, dass ich doch grad ganz viel erzählt habe erwidert sie: Das musst Du verwechseln! Du hast das woanders erzählt, aber nicht mir! Es wird Zeit das große Mensch ärgere Dich nicht-Spiel herauszuholen oder eine Partie Ratefix zu spielen. Vorher überzeuge ich Frau M. jedoch, dass es besser ist erst mit der Körperpflege zu beginnen und sich fertig anzuziehen. Denn dann haben wie etwas mehr Ruhe und wir wollen doch heute Mittag zum Essen ins Restaurant fahren. Bereitwillig lässt sich Frau M. bei der Morgentoilette helfen und macht auch ihre Späße. Ihre Laune ist wieder gut und sterben will sie nun auch nicht mehr. Sie möchte jetzt sofort losfahren. Ich versuche die Abfahrt noch etwas hinauszuzögern und mache jetzt den Vorschlag Mensch ärgere Dich nicht zu spielen

Gegen Mittag, nachdem wir ein paar Runden gespielt haben, bestelle ich ein Taxi. Unsere Fahrt geht zum Lieblings-Chinesen. Dort angekommen, betreten wir das Restaurant. Hier ist Frau M. ein gern gesehener Stammgast und die Bedienung eilt herbei um uns an einen Tisch zu führen. Frau M. hebt die Hand, zeigt auf den Tisch in der Ecke am Fenster und sagt: Die sitzen an meinem Tisch! Leise erwidere ich, dass wir erstmal an diesem Tisch Platz nehmen sollten. Wenn die Gäste gegangen sind, können wir uns ja an den anderen Tisch setzen. Etwas widerwillig setzt sich Frau M. Ich setze mich auch und verstaue unser Reisegepäck. Kurz darauf erscheint die Bedienung mit den Speisekarten und nimmt unsere Getränkebestellung auf: Für Sie wieder Ihren gewohnten Wein, Frau M.?...

Nach einer kurzen Zeit kommt die Bedienung mit den Getränken und lächelt. Frau M. ist glücklich und kostet diese. Siehst Du sagt sie zu mir hier kennt man mich und weiß genau, welchen Wein ich gern trinke. Sie nippt Einfach köstlich.... Was möchten Sie essen? frage ich und schlage die Karte auf. Wie soll ich das wohl lesen? Du weißt doch, dass ich nicht gucken kann!, Entschuldigung, ich lese Ihnen vor...   Ich komme nicht weit, da erscheint der Wirt und fragt Frau M.: Für Sie wieder wie letzten Sonntag? Frau M. nickt freundlich Ja, das war sehr gut, aber Du musst Dir auch was bestellen! sagt Frau M. zu mir. Klar, wer isst denn schon gern allein!

Die Wartezeit bis das Essen serviert wird macht Frau M. ungeduldig: Wann kommt denn endlich das Essen, geh mal hin und frag` ob uns der Wirt vergessen hat! Ich versuche zu beschwichtigen, lenke unser Gespräch auf Frau M.`s Jugenderinnerungen. Nach einer kurzen Weile kommt das Essen. Alles sieht sehr lecker aus und ich fülle auf. Frau M. möchte wissen, was das ist, was sie da gerade isst. Sieht aus wie Spargel und Reis, und Hühnerfleisch ist auch dabei. Da hast Du Recht, schmeckt sehr gut! sagt Sie. Wir schweigen eine kurze Zeit. Später stehen die anderen Gäste auf und die Bedienung beginnt ihren Tisch abzuräumen. Können wir da jetzt rüber? Frau M. eilt schon vor, der Ober reagiert gelassen: Natürlich, Frau M., kommen Sie nur! Er räumt das letzte Geschirr der vorigen Gäste vom Tisch und beginnt daraufhin Alles von unserem Tisch auf den anderen herüberzutragen. Dort richten wir uns wieder ein und Frau M. nippt genüsslich an ihrem Glas, schaut mich an: Wohin gehen wir jetzt? fragt sie. Aber wir haben uns doch grad erst umgesetzt, Frau M. sage ich, Das macht doch nichts. Ich will jetzt in die Eisdiele! Ein bisschen flexibel zu sein ist schon wichtig, damit ich auch auf sehr spontane Wünsche von Frau M. angemessen reagieren kann. Manchmal, wenn es das Wetter erlaubt, gehen wir auch gern Alsterschippern oder in Hagenbecks Tierpark. Zum Glück hat Hamburg viele Sehenswürdigkeiten, die es sich lohnt anzusehen, so wird es uns nie langweilig...

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